Angst vor Silvester
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Viele Tiere fürchten sich vor lauten Geräuschen. Silvester ist dann
eine besondere Herausforderung und die Reaktionen reichen von leichtem
Unbehagen bis zu absoluten Panikreaktionen. Manche Hunde können am 31.
Dezember kaum noch Gassi geführt werden und ihre Besitzer leiden
natürlich mit ihnen mit.
Immer häufiger sind aber schon den ganzen Dezember und nach Silvester
auch weit bis in den Jänner hinein immer wieder Knallkörper zu hören.
Für alle Tiere mit „Silvester-Angst“ und deren Besitzer ist das eine
tatsächlich starke Belastung.
Was kann gegen Silvester-Angst getan werden?
Grundsätzlich ist die Angst vor knallenden Geräuschen eine sinnvolle
Einrichtung der Natur und alle wild lebenden Tiere suchen ganz einfach
das Weite. Für unsere Haustiere ist das natürlich nicht möglich, also
bemühen wir uns, ihnen das Leben so leicht wie möglich zu machen und sie
an die Angst einflößenden Geräusche zu gewöhnen. Was können wir also
konkret tun?
1. Kurzfristige Hilfe
Knapp vor Weihnachten ist es für alle langfristigen Strategien, um
Ängste abzubauen, leider zu spät. Damit die kommenden Feiertage aber
noch halbwegs entspannt anlaufen können, gibt es Gott sei Dank auch
einige Möglichkeiten kurzfristig zu helfen.
Richtiges Verhalten des Tierbesitzers
Ganz wichtig ist die Reaktion des Tierbesitzers auf die Angst des
Vierbeiners. Je gelassener Sie selbst bleiben und je weniger
Aufmerksamkeit Sie von der Angstreaktion Ihres Lieblings machen, desto
besser. Wenn Sie Ihr Tier fürchterlich bemitleiden, es streicheln und
ihm gut zureden, dann wird es einerseits gleich lernen, dass ängstliches
Verhalten die immer ersehnte Zuwendung bringt und wird ängstliches
Verhalten möglicherweise auch in anderen Situationen zeigen und außerdem
wird Ihr Hund oder Ihre Katze den Eindruck gewinnen, dass diese
Knallerei tatsächlich etwas ist, was besonders beachtet werden muss.
Also: So tun, als wäre nichts Besonderes los! Bei leichten
Angstreaktionen hilft manchmal auch der Versuch, den Knaller positiv zu
verknüpfen. Mit einem animierenden „Ja super, jetzt hat es geknallt, da
gibt es gleich ein Leckerli“, kann man machen Tieren die Knallerei auch
schmackhaft machen. Bei starken Angstreaktionen funktioniert das leider
meist nicht mehr. Natürlich macht es aber in jedem Fall Sinn, evtl.
Jalousien herunter zu lassen, das Radio aufzudrehen und dem Tier die
Möglichkeit zu geben, sich in einen möglichst ruhigen Raum zurückziehen
zu können.
Natürliche Substanzen, die zu etwas mehr Gelassenheit verhelfen:
L-Tryptophan ist eine Aminosäure, die im Gehirn zu Serotonin, dem
„Glückshormon“ umgebaut wird. Serotonin ist ein wichtiger Botenstoff im
Gehirn und hat unter anderem eine stimmungsaufhellende Wirkung.
Cortisol, das bei Stress vermehrt im Blut vorhanden ist, fördert auch
noch den Abbau des L-Tryptophans, und verschlimmert so oft auch noch die
Angst. L-Tryptophan ist ein natürlicher Baustein von Proteinen
(Eiweiß). Die zusätzliche Verabreichung mit dem Futter ist daher eine
ganz unbedenkliche Maßnahme. Bereits wenn die ersten Knallkörper zu
hören sind, können Sie es in Form von
Sedarom sowohl an Hunde als auch Katzen verabreichen.
Beruhigend wirkt auch eine Substanz aus der Milch: das alpha-Casozepin. Erhältlich als
Zylkéne
Akupunktur-Pflaster
Tolle Beruhigung bringen auch Akupunktur-Pflaster. Diese sind zwar für
den Menschen gemacht, wirken aber auch bei den meisnten Hunden und
Pferden toll. Da sie keine Nebenwirkungen haben, kann man sie auch ohne
weiteres bereits in den Wochen vor Silvester anwenden. Nähere Auskünfte
dazu bekommen Sie gerne in unserer Praxis.
Homöopathie
Die Homöopathie hält einige Akutarzneien bereit, die je nach Art der
Reaktion des Tieres ausgewählt werden. Es ist dabei wichtig, ob ein Tier
sich eher versteckt, nicht mehr ansprechbar ist, zittert oder z.B.
hysterisch in Panik gerät. Die Wahl der richtigen Arznei ist nicht
einfach und sollte daher besser einem auf Homöopathie spezialisierten
Tierarzt überlassen werden, um auch den gewünschten Effekt zu haben.
Eine konstitutionelle homöopathische Therapie, die schon in der
ruhigeren Jahreszeit begonnen wird, hat auf jeden Fall deutlich mehr
Aussicht auf Erfolg.
Pheromone
Für Katzen und Hunde gibt es Botenstoffe, die die Tiere beruhigen. Bei
der Katze ist es das „Gesichtspheromon“, das auch mein „Köpfchengeben“
in der Umgebung der Katze verbreitet wird, beim Hund das Dog Appeasing
Pheromone, das an der Brustdrüse säugender Hündinnen abgegeben wird.
Diese können in Form von Verneblern, Sprays oder Halsbändern (Hund)
verwendet werden. Meiner Erfahrung nach, wirken sie aber häufig nur bei
jungen Tieren wirklich gut.
Bachblüten
Notfall-Tropfen oder Notfall-Tabs helfen bei manchen Tieren wirklich
gut, bei anderen leider nicht. Einen Versuch ist es aber sicher wert,
wenn L-Tryptophan und homöopathische Arzneien nicht ausreichend helfen.
Beruhigungsmittel
In Fällen, in denen die Tiere sehr leiden können für die Silvesternacht
natürlich auch Beruhigungsmittel verschrieben werden. Häufig geht es
den Tieren damit aber gar nicht wirklich gut. Sie sind oft bereits
körperlich schwer beeinträchtigt, fürchten sich aber trotzdem weiterhin.
2. Langfristige Hilfe
Das Ziel jeder Behandlung sollte natürlich die langfristige Besserung
der Silvester- oder Schussangst sein. Auch, weil viele Tiere noch
zusätzlich Angst vor Gewitter, manche auch noch vor vielen andern Dingen
haben.
Homöopathie
In der Homöopathie gibt es sehr viele Arzneien, die als
„konstitutionelle“ Arzneien zu jenen Hunde- und Katzentypen passen, die
ängstlich auf verschiedenste Umweltreize reagieren können. Mit der
passenden Arznei können sich dann nicht nur die Ängste nach und nach
lösen, sondern gleichzeitig auch körperliche Probleme. Die Wirkung ist
langfristig eine Erleichterung für alle betroffenen Tiere. Diese Art der
Therapie sollte aber schon lange vor Silvester starten, am Besten im
Frühling oder Sommer.
Training
Sehr häufig ist die Angst zu Silvester aber auch eine erlernte
Verhaltensweise, die sich über die Jahre immer verstärkt hat, manchmal
wurde sie auch durch ein unangenehmes Erlebnis ausgelöst. Mit einem
speziellen Desensibilisierungs-Training mit Hilfe von Geräusch-CD´s, die
ich an meine Patienten auch verleihe, und speziellem Einzeltraining mit
einem guten Trainer können die negativen Verknüpfungen langsam wieder
gelöst werden. Wie beim Training von Tieren immer, ist hier aber das
Timing neben vielen anderen Details sehr wichtig, um die Angst nicht
irrtümlich noch zu verstärken. Deshalb rate ich unbedingt dazu, die
Hilfe eines Profis in Anspruch zu nehmen. Links zu empfehlenswerten
Tiertrainern finden sie in meiner
Linksammlung.